Was für eine Wahl…

Vor rund 14 Tagen waren Kommunalwahlen herunten bei uns in Bayern. Bürgermeistersitze und Gemeinderatssessel wurden neu vergeben und durchgemischt. Am vergangenen Sonntag waren dann die letzten Nachwehen in Form von Stichwahlen für den Bürgermeisterposten zu spüren.

Aber diese Wahl war irgendwie anders als all die Wahlen, die ich nun sein 15 Jahren intensiver beruflich verfolgen muss.

Anders, weil überraschender.

Für mich ist es schon verwunderlich, wie viele kommunalpolitische Urgesteine vom Wähler in den Steinbrecher geworfen wurden um nach der Wahl als Kieselstein aus dem Rathaus gefegt zu werden. Alleine hier in der Gegend hat es einige erwischt, bei denen man das so nicht vermuten hätte können.

Die wohl größte Schmach hat dabei der Bürgermeister von Bodenmais über sich ergehen lassen müssen.

1990 ins Amt berufen hätte er sich damals sicher nicht gedacht, dass sein kommunalpolitisches Ende von jemand ausgerufen werden würde, der zu diesem Zeitpunkt noch mit der Schippe im Sandkasten gesessen haben muss.

Denn in Bodenmais hat am vergangenen Samstag ein 23 jähriger Student den schwarzen Platzhirsch aus dem Rathaus geworfen. Was isoliert betrachtet ja schon schlimm genug für den Altherrscher sein muss. Zu allem Überfluss ist der Herausforderer auch noch evangelisch. Was im Bayerischen Wald vor einigen Jahrzehnten noch den sicheren Hungertod bedeutet hätte. Aber all das hätte der ab dem 01.05. zu der Riege der Altbürgermeister gehörende Ortschef noch überleben können. Zwar mit intensivmedizinischer Hilfe, aber er hätte eine Chance zum Überleben gehabt.

Den Todesstoß muss dem Ego des Amtsinhabers jedoch die Tatsache gegeben haben, dass der Jüngling von der SPD stammte. In einem der schwärzesten Teile Bayerns ist es wohl noch immer die größte Schmach, von einem Roten vom Thron gestoßen zu werden.

Den Dolch in der Brust gedreht und nachgestoßen haben dürfte aber die Tatsache, dass sich dieser evangelische sozialistische Königsmörder auch noch als bekennender Schwuler selbst geoutet hat. Das wars. Spiel. Satz. Und Sieg. Das hat sicher gesessen. Aber so was von.

Ich denke, Edmund Stoiber ist bei der Betrachtung dieses Wahlergebnisses nun irgendwie doch froh, „nur” von einem evangelischen Franken gestürzt worden zu sein. Nicht auszumalen, was die Presse aus einer solchen Niederlage gemacht hätte…

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